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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783963620492
Sprache: Deutsch
Umfang: 143 S.
Format (T/L/B): 1.6 x 19.2 x 13 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Eine Plantage in Georgia, 1868: Emily Derracott könnte auf der Baumwollplantage ihres Vaters ein unbeschwertes Leben führen. Aber sie will als Weiße mit dazu beitragen, dass die freigelassenen Sklaven ihres Vaters in der kleinen Schule das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Als eines Tages ein Stein durch die Schultür fliegt, ist sie gewarnt. Sie hofft auf die Unterstützung von Thomas McGinnis, ihrem Freund aus Kindertagen. Aber kann sie ihm trauen? Er verhält sich verdächtig und sie weiß nicht, auf welcher Seite er steht. Wird er mit ihr zusammen für die Rechte der Schwarzen eintreten oder arbeitet er insgeheim gegen sie?

Autorenportrait

Elizabeth Musser wuchs in Atlanta auf. Seit dem Abschluss ihres Studiums englischer und französischer Literatur an der Vanderbilt Universität in Tennessee ist sie als Missionarin tätig. Heute lebt sie mit ihrem Mann Paul in der Nähe von Lyon in Frankreich. Die beiden haben zwei Söhne.

Leseprobe

Kapitel 1 Wilkes County, Georgia April 1868 Der Stein flog durch den offenen Türrahmen des Schulhauses und landete vor Emilys Füßen. Bestürzt bückte sie sich und sah, dass ein Zettel um den Stein gewickelt war. Sie löste ihn und las die Worte, die in Großbuchstaben wie von einem Kind geschrieben waren: DER KLAN KOMMT. Emily trat in die aufziehende Dunkelheit hinaus, nahm ihre Röcke in die Hand und lief eilig zu den Hütten der freigelassenen Sklaven. Dabei rief sie laut: "Sam! Sam!" Auf der Straße kam ihr ein älterer schwarzer Mann entgegen, dem sie den Zettel in die Hand drückte. Sam hatte erst letztes Jahr lesen gelernt, aber er entzifferte die Worte sofort. Schnell schaute er Emily an und sagte: "Verschwinden Sie von hier, Miss Emily! Beeilen Sie sich!" "Ich fürchte mich nicht vor dem Klan, Sam. Ich bleibe bei euch." Mit großen Augen schaute er Emily an und schüttelte den Kopf. "Sie haben sich noch nie vor etwas gefürchtet, Miss Emily. Das weiß ich. Aber Sie können nicht bleiben. Laufen Sie, so schnell Sie können, zum Haus hinauf." "Eine weiße Frau hat der Klan noch nie getötet." Entschlossen schob Emily das Kinn vor und warf die Schultern zurück. "Ich bleibe." Die Überraschung in Sams Augen verwandelte sich in etwas Finsteres. Seine Miene war so hart, dass Emily erschrak. "Ich habe Sie auf die Welt kommen sehen, Miss Emily. Und ich habe nicht vor, heute mit anzusehen, wie Sie aus dieser Welt genommen werden." "Diese Männer werden mich nicht töten!" "Sie machen noch etwas viel Schlimmeres. Sie zwingen Sie, dabei zuzusehen, wie sie uns töten! Gehen Sie jetzt!" "Aber ich will euch helfen! Es muss doch etwas geben, das ich tun kann!" "Sie sind jung und mutig, Miss Emily. Aber Sie helfen uns am meisten, wenn Sie ins Haus zurückgehen und unseren Schöpfer um Erbarmen anflehen." Sie sah die Angst, aber auch die Wut in Sams Augen. Einen Augenblick später hörte sie das Schlagen von Pferdehufen, das in der Ferne die Erde erschütterte. Es klang, als nähere sich der leibhaftige Tod. Mit einer schnellen Handbewegung packte Sam sie an der Hand und schob sie zu der kleinen weißen Schindelkirche. "Es ist zu spät! Sie können nicht mehr zum Haus laufen. Verstecken Sie sich in der Kirche und geben Sie keinen Ton von sich, Miss Emily! Ich flehe Sie an." Seine Hände zitterten so sehr, dass Emily ihn nicht loslassen wollte. "Ich bleibe hier. Versprochen", sagte sie. "Geh zu deiner Familie." Als sie Sam nachschaute, wurde ihr schwer ums Herz. Sam war der älteste ehemalige Sklave auf der Derracott-Plantage und war jetzt ein Freigelassener. Alle ihre früheren Sklaven waren geblieben und versuchten, auf den 400 Hektar Ackerland ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Naturalpächter war das Wort, das Emilys Vater dafür benutzte. Die Sklavenunterkünfte waren verschwunden. Jetzt bildeten zwei Dutzend neue Hütten eine kleine Siedlung. Widerstrebend hatte ihr Vater den Schwarzen erlaubt, eine Kirche und eine Schule auf dem Gelände zu errichten. Auch die Erwachsenen gingen zur Schule und lernten zusammen mit ihren Kindern. Jeden Tag stand Emily in dem kleinen Schulhaus, das sie vor zwei Jahren gebaut hatten, und lehrte sie Lesen und Schreiben. Und jetzt terrorisierten schreckliche, von Hass getriebene Männer die Plantagen, ergriffen die Freigelassenen, misshandelten einige, erhängten andere und richteten ein Blutbad an. Das alles geschah nur aus einem Grund: Es gab Weiße, die glaubten, dass Schwarze minderwertig waren. Das Schlagen der Hufe wurde lauter und kam immer näher. Emily sank auf den Boden, ihr Herz hämmerte wie wild in ihrer Brust. Guter Gott, lieber Herr, bitte beschütze sie. Beschütze uns. Die freigelassenen Schwarzen waren nicht die Einzigen, die in Furcht und Angst vor diesen nächtlichen Reitern lebten. Viele weiße Republikaner wurden ebenfalls Opfer dieser geistesgestörten Gruppe. Der Ku-Klux-Klan machte auch vor ihnen nicht halt, misshandelte sie und schreckte selbst vor Mord nicht zurück. Um ihren Vater hatte Emily